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Zählt die Menschen die euch lächelnd begegnen!

Menschenansammlung

Eine sterbenskranke Großmutter erzählte stolz von ihren Enkeln. Immer wenn sie mit den Kindern in der großen Stadt war, gab sie ihnen zur Beschäftigung die gleiche Aufgabe vor.

"Zählt die Menschen die euch lächelnd begegnen!"

Die Kinder zählten rege - jedoch hatten sie nie das gleiche Ergebnis.

Ich wollte es den Kindern gleich tun. So ging ich durch die Straßen und begann zu beobachten und zu zählen. War es nun ein klares Lächeln oder waren es nur sympathische Gesichtszüge? War es noch ein ernstes Gesicht oder war bereits ein leiser Anflug von Fröhlichkeit zu entdecken? Waren sie schmunzelnd im Gespräch vertieft oder gingen sie einsam lächelnd in Gedanken dahin? Lächelten eher die Kinder, die Frauen oder die Männer? War es ein trauriges oder ein fröhliches Lächeln?

Schnell wurde mir bewusst wie wenig gelächelt wird. Die meisten Menschen hetzten mit abgewendetem Blick ernst vorüber. Doch wie schön war es plötzlich, als ein älteres, glücklich schauendes Pärchen entgegen kam. Und dann eine Gruppe junger, lustiger Menschen...

Ich beachtete die Menschen. Ich las in ihren Gesichtern. Sie interessierten mich - empfand ich sie doch plötzlich viel näher. Es machte mir mehr und mehr Vergnügen! Intuitionen quellten hervor. Konnte ich nicht sogar noch mehr erspüren? Was konnte hinter den Augen denn noch versteckt sein? Ich spürte - die Seele wird im Gesicht getragen. Welche wunderbare Erkenntnis!

Mir wurde jedoch schnell klar, warum die Kinder nie zu den gleichen Ergebnissen kamen.

Das Lächeln hat mannigfaltige Facetten. Mal ist es offen, mal geschlossen. Mal blinzeln die Augen, mal strahlen die Zähne. Mal unmerklich, mal einladend. Genaue Unterscheidungen erwiesen sich oft schwieriger als angenommen!

Nun versuchte ich meinen inneren Punktestand zu verbessern. Ich versuchte das Ergebnis durch eigenes Lächeln zu verbessern. Doch - ich fühlte einen Widerstand. Warum war es nur so schwierig? Ich wollte zwar - aber es war mir nicht danach zumute! Ich spürte eine befremdliche Gesichtsstare. Hast du schon einmal versucht grundlos zu lächeln? Genau so kam ich mir vor!

Nun versuchte ich mich zu beeinflussen. Ich dachte an eine nette, lustige Begebenheit und schon spürte ich eine innere Veränderung. Die Gesichtsstare wich. Es schien zu funktionieren. Mein Denken veränderte mich - ich musste einfach nur freudiger denken!

Also lächelte ich - und empfand plötzlich mehr Lächelnde...
So war auch ich verantwortlich für das Lächeln der Andern!

Gehe auch du durch die Straßen und zähle das Lächeln!
Achte auch du auf ihre Stimmungen und erfasse die Unterschiede!
Lerne dein Lächeln - damit der Andere dein Lächeln spiegelt!

© Ludwig Szopinski